Nachhaltigkeit
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Aufgabenstellung 1

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Aufgabenstellung 2

Bauwerksbegrünung - Projekte der 1970er Jahre

Bauwerksbegrünung als architektonisches Mittel ist seit langer Zeit bekannt und gebräuchlich, sei es als Dach-, Fassaden- oder Innenraumbegrünung.
Als historische Dachbegrünungen sind beispielsweise skandinavische Grasdächer oder überwachsene Weinkeller in Österreich und Ungarn zu nennen. Fassadenbegrünungen dürften, da sie häufiger auch ohne menschliches Zutun zustande kommen, eine noch längere Tradition haben -bevorzugt, wenn sie eine Schutzwirkung oder einen anderen offensichtlichen Nutzen entwickelten (Efeu als Wetterschutz, später Reben als Nutzpflanze).
In großem Umfang wurden Bauwerksbegrünungen erstmals in den 1960er- und 1970er-Jahren eingesetzt, damals aus ästhetischen Gründen, um die neu entstandenen, sehr großen Baumassen in ihrer optischen Erscheinung abzumildern und aus Gründen der Wohnqualität, um auch in den oberen Geschossen noch eine gewisse Naturverbundenheit zu bewahren.
Bei heutigen Projekten spielen darüber hinaus noch ökologische Gründe eine wesentliche Rolle, also Bauwerksbegrünung als Maßnahme gegen den Klimawandel, gegen die Überhitzung der Städte, für die Erhaltung der Artenvielfalt, usw. Spektakuläre Projekte, wie etwa die High Line in New York oder der Bosco Verticale in Mailand, zeugen vom wieder erwachten Interesse an städtischen Begrünungsprojekten, es ist sogar von „Hortitecture“ - ein Kunstwort aus hortus, Garten, und Architektur - die Rede.
Die Projekte der 1960er- und 1970er-Jahre, so zahlreich sie auch sind, muss man in ihrer überwiegenden Mehrheit jedoch als misslungen bezeichnen, da die grundlegenden Voraussetzungen Bewässerung, Düngung, Unterhaltung und Pflege nicht gewährleistet wurden.
Die Fragestellung lautet deshalb: Können diese Gebäude und ihre Begrünungsprojekte ein 2. Chance haben und sind sie mit dem Wissen und der Technik von heute - also 50 Jahre später - noch zu retten oder wieder zu beleben?

Wir werden uns zunächst in der Region - also im Sieger- und Sauerland - auf die Suche nach diesen missglückten Projekten machen und Beispiele sammeln: Fassaden mit großen (Beton-) Blumenkübeln ohne Pflanzen, Rankgerüste, die schon seit Jahren als unnützes Gestänge ohne Bewuchs vor sich hin gammeln und Terrassenhäuser, die einst von Bauträgern und ihren Architekten als „grüne Hügel in der Landschaft“ propagiert wurden, aber bis heute kahl geblieben sind.
Parallel dazu eignen wir uns Fachwissen an, wie man mit botanischer Kenntnis und dem heutigen Stand der Technik solche Begrünungsprojekte revitalisieren kann. Und schließlich werden Vorschläge erarbeiten, wie an einem selbst gewählten, konkreten Objekt eine Lösungsstrategie und deren Umsetzung aussehen könnte.

Durchführung und Betreuung des Seminars:
Prof. Peter Karle, Architekt und
Dipl.-Ing. Lisa Veit, Architektin